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von Hans-Hinrich Taeger "Meine Freiheit besteht also darin, mich
in jenem engen Raum zu bewegen, den ich mir selbst für jedes meiner
Vorkaben gezogen habe. Ich gehe noch weiter: meine Freiheit wird um so
größer und umfassender sein, je enger ich mein Aktionsfeld abstecke
und le mehr Hindernisse ich ringsherum aufbaue. Wer mich eines Widerstandes
beraubt, beraubt mich einer Kraft. Je mehr Zwang man sich auferlegt, um
so mehr befreit man sich von den Ketten, die den Geist fesseln."
Igor Stravinsky in "Musikalische
Poetik"
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| Was prallen in Vesta-Sonne- Beziehungen (aber auch Vesta-Mars und Vesta-Jupiter-Verbindungen) für widersprüchliche, gleichermaßen kreativitätszermürbende wie kreativitätssteigernde Prinzipien aufeinander! Das analytisch-kritische, wachstumshemmende und zeitverzögerte Erdelement reibt sich an dem nach ungestümer und ungebremster Selbstentfaltung drängenden Feuer-Element, lähmt und kanalisiert dieses durch ein Netzwerk des sich Zurücknehmens, Überprüfens, sich Infragestellens, durch Auflösung in immer feinere Rasterungen, was sich seiner Tendenz nach zentrieren, ausweiten und vergrößern möchte! Ein zwergenhafter Fels brocken, eine Laus im Haar, ein Virus im System setzt sich ebenbürtig mit dem Giganten, dem »Zentrum der Welt«, der allmächtigen Sonne auseinander. Eine kosmische Groteske mit ungewissem Ausgang. Weise derenige, der ein Zusammenspiel forciert, tragikomisch wer sein Sonnenthema, seine Männlichkeit, sein lndividualitätsstreben quasi gewaltsam Vestas Tugend- Gewissens- und Versachlichungsintentionen überstellt, sich aus dem eigenen Bewußtseinsfeld mit steter Anstrengung auszublenden versucht! |
VESTA UND DAS MÄNNLICHE
Dieser Zweikampf spiegelt sich z.B. im Leben und Werk des frz. Dichters Henry de Montherlant (Sonne-Vesta-Konj. im Stier), der sich nicht nur in direkter Umsetzung als Stierkämpfer übte (vgl.a. das Stierkampfthema im Werk Picassos), sondern in allen männlich-härtenden Sportarten. Sein gesamtes Werk besteht in einer einzigartigen Glorifizierung der Männlichkeit, eines maßlosen Individualismus, Sexualismus und Chauvinismus, einer Degradierung der Weiblichkeit (Vesta) und einer Transformierung der nach Neutralisierung strebenden Vesta in männlich-heroische und extrem-ethische Ideale. Sein Freitod kann als Resignation auf diesen hoffnungslosen inneren Kampf aufgefaßt werden. Anklänge an übertriebene Männlichkeitsrollen (Vesta-Flucht) finden sich auch bei P. Picasso (Opposition Sonne-Vesta) oder bei sexuellen Kultfiguren des Showbusiness wie Tom Jones (Konjunktion in Zwillinge), Ramon Novarro (Konjunktion in Wassermann), Humphrey Bogart (Konj. in Wassermann), Roger Vadim (Konj. in Wassermann) oder Gregory Peck (Opposition Waage-Widder). Auch schwierig gelebte bi- oder homosexuelle Tendenzen können durch das von Vesta kritisch hinterfragte Männlichkeitsbild ausgelöst werden (Jim Morrison, Ramon Novarro).
VESTA IN KÜNSTLERHOROSKOPEN
Lösungen des Vesta-Sonne-Themas über einen künstlerischen Weg sind relativ selten, da sich die Prozesse von künstlerischer Individuation (Sonne) und vestalischer Entpersönlichung gegenseitig im Wege stehen. Finden wir trotzdem derartig mutige Versuche wie beispielsweise bei Pablo Picasso und Igor Stravinsky (Sonne-Vesta-Kon1unktion in Zwillinge), so fällt au{, daß beide Künstler, die auch privat befreundet waren, sich sowohl zum Abstrakten hin entwickelt, als auch eigentlich keinen eigenen Stil gefunden haben. Vielmehr durchlebten sie intensiv eine Unmenge divergierender Stilrichtungen in denen sie jeweils Virtuoses leisteten, ohne sich festzulegen. Dadurch zerfällt ihr Gesamtwerk in inhomogene Einzelpersönlichkeiten Phasen, Trends und lassen somit das Vesta-Prinzip der Zersplifterung er kennen.
Picassos berühmter Aus- spruch: »Ich suche nicht, ich finde.« weist darauf hin, das er ein Gespür für den Zeitgeist und Zeitgeschmack hatte, um in allen modernen Strömungen ein Gastspiel zu geben, sei es im Klassizismus, Symbolismus, Jugendstil, Surrealismus, Fauvismus oder in der abstrakten Kunst. Aber wirklich Orginäres (Sonne) konnte er nur im Kubismus leisten, den er zusammen mit Georges Braque (Konj. Vesta-Merkur) um 1908 kreierte. Doch im Gegensatz zu Braque, der diesem Stil treu blieb und ihn verfeinerte, wandte sich Picasso bald anderen Stilrichtungen zu. Es machte ihm in seiner Schaffensneurose gar nichts aus, an einem Tag drei Bilder in völlig verschiedenen Traditionen zu malen und sich somit in Teilpersönlichkeiten aufzulösen. »Das einzige, was Picasso nicht fertigbringt: einen ,Picasso' der von Picasso stammt.« (Maurice de Vlaminck). Indem er sich als ein Obekt der »Wissenschaft vom Menschen« begreift, verstand er sein gesamtes Schaffen - und das vereinigt alle Vesta-Sonne betonten Menschen - als eine Art präzise Autobiographie. So beschriftete er seine Werke mit Daten und Tageszeiten, etc. um späteren Picasso-Forschern Material über die Auswirkung von Kreativität in Zeit und Raum zu überlassen. Ein interessantes Studienobekt für kommende Astrologen! Stravinsky, ein ähnlicher stilistischer Tausendsassa, verstand es bewußter und positiver mit seiner Vesta-Sonne-Beziehung umzugehen, indem er sie voll und ganz akzeptierte: »Eine Kompositionsweise, die sich nicht selbst ihre Grenzen abzeichnet, wird reine Phantasie: sie verliert sich an die Willkür der Laune, an den Kult der Unordnung.« In geschickter Ausgewogenheit gelingt es ihm, Ansätze musikalisch-euphorischer Selbstdarstellungen und Ausuferungen immer wieder zu erden und allgemeinen Gesetzmäßigkeiten anzupassen. »Für den klaren Aufbau eines Werkes - für seine Kristallisation - ist es entscheidend, daß alle dionysischen Elemente, welche die Vorstellungskraft des Schöpfers anregen und den nährenden Saft hochtreiben, rechtzeitig, bevor sie Fieber in uns hervorrufen, gezähmt und schließlich dem Gesetze unterworfen werden - dies ist Apollons Befehl.« Eine klarere Definition des Wechselspiels von Vesta und Sonne (Apollo) wird sich wohl kaum finden lassen. Dem musikalisch orientierten Leser seien die Werke Stravinskys wärmstens empfohlen. Sie eignen sich vorzüglich, um sich ein Klangbild dieser Konstellation zu schaffen.
VESTAS BEZUG ZUR SEXUALITÄT
Nun symbolisiert die Sonne (zusammen mit Mars und Jupiter) nicht nur das Streben nach Individualität, Freiheit, geistiger Potenz, Expansion, Extroversion oder Kreativität, sondern auch den männlichen Anteil der Kundalini-Sexual- oder Libidoenergie, deren weiblicher Kontrapart in den Mond-, Neptun- und Plutoenergien zu finden ist. Kommt diesem Zusammenspiel männlicher und weiblicher Kundalini das Luftelement (Venus, Merkur, Uranus) als vermittelnde und quasi neutrale Instanz entgegen, so kann das Erdelement mit Saturn, Erde und Vesta als eine raum-zeitverzögernde Komponente verstanden werden, die es verhindert, daß sich der Libidofluß ungezügelt und in einem wilden chaotischen Treiben energetisch aneinander aufzehrt oder sich in die Erleuchtung des Nichts, die karma- bzw. manifestationsbefreite Dimension des sog. Nirvana auflöst. Aus dieser stark simplifizierten Perspektive kann Vesta (zus. mit Saturn und Erde) als Iibidohemmend (bzw. erleuchtungsverzögernd), karmablockierend im positiven Sinne aber auch als Iibidobesorgt aufgefasst werden. Betrachtet man das viele Leid und die karmischen Verstrickungen, die aus einem unreflektierten und triebdumpfen Ausleben der Sexualität resultieren können (vor allem, wenn einem die wahre esoterische Potenz tantrischer Wirklichkeit bewußt ist), verwandelt sich die scheinbar sexualfeindliche Funktion Vestas tatsächlich in eine Art strenge Priester(innen)-Rolle, die erst dann ihr o.k. zu einem freien Fluß der Libidovereinigung gibt, wenn tantrische Vereinigung in die mystische Verzauberung völlig egotranszendierter Ekstase gelebt und bewußtseinsmäßig nachvollzogen werden kann. Da wir in unserem westlichen Kulturraum über so gut wie kein tantrisches Wissen verfügen und die hohlen Moralvorschriften der jüdisch-orientalischen Religionen ihren Einfluß verlieren, hat sich eine Sexualität um der Lust willen eingependelt, die in der Ablösung moralischer Kirchenvorschriften zu einem neuartigen Gefühl von »Freiheit« geführt hat. Dies ist sicherlich ein wichtiger und positiver Prozeß. Doch irgendwie fühlt sich diese »Freiheit« recht kühl an und mehr und mehr Menschen greifen zu Drogen, um, bereits gelangweilt, zu stärkeren Erlebnissen zu gelangen. Sexualität scheint an primärem Interesse zu verlieren und wir haben bereits genauso viele Sexualneurosen wie der Mensch des Miftelalters (vor allem eine Ausbreitung von Impotenzproblemen). Trotz der neuen Freiheiten und der Zusammenhortung in Großstädten ist der Mensch heute isolierter und einsamer als eh und eh und im Begriff, sich einem völligen Materialismus zuzuwenden, der uns in innere Unerfülltheit vereist. Wir erleben das negative Feedback einer falsch gehandhabten Libido und unsere Nichtaufgeklärtheit über die eigentliche Funktion und Potenz, die uns die östlich-esoterischen Wissenschaften vermitteln möchten. Das exoterisch mißverstandene Erdelement begegnet uns daher in seiner negativen Variante und führt uns in Erstarrung, leeren Funktionalismus, innere Verödung und materialistische Verblödung. Es ist verständlich, daß wir nach Tausenden von Jahren sexueller Tabuisierung durch Religion eine begründete Scheu haben, uns »neuen« Erklärungsmodellen anzuvertrauen, die wiederum religiös gefärbten Gebieten entstammen. Doch werden wir uns früher oder später diesem einzigen Ausweg nicht entziehen können, wobei wir nach gründlichem Studium hinduistischer, buddhistischer und taoistischer Quellen durchaus eigene und zeitgemäße Varianten des Tantra und seiner Gesetze (der höheren vestalischen Wissenschaften) entwickeln sollten. Wir müssen lernen, daß wir gleichermaßen in einer physischen als auch metaphysischen Wirklichkeit leben und daß beide Realitäten genauen Gesetzmäßigkeiten folgen (das Paradoxon inbegriffen). Eine weise Handhabung der inneren Libido setzt eben ein genaues Verstehen des Feinstoffkörpers, des Chakrensystems, die Einbeziehung astroenergetischer, mantrischer, sexualmagischer, atemtechnischer und herzensbewußtseinsmäßiger Einflüsse voraus. Solange wir uns diesen fundamentalen Wirklichkeiten verschließen, diese nicht voll bewußtseinsmäßig integrieren können, wird es niemals eine zur Befreiung führende Sexualität geben, niemals einen wahren Orgasmus, niemals vollständige Vereinigung, niemals wirkliches Glück und Ekstase, niemals Harmonie mit der inneren Vesta und dem Erdelement als Ganzem. Wir müssen uns von der grobstofflichen Faszination und Interpretation des Erdelements radikal lösen und dessen primär esoterische Dimension akzeptieren und ehren lernen! Auf Vesta-Sonne-Beziehungen übertragen heißt das, daß wir unsere übermächtige Sonne in den Dienst der inneren Erhellung stellen, ihre Fixierungen und Fehlgewichtungen korrigieren, ihr soziale und humane Aufgaben übertragen, ihre Weisheit und ihr Differenzierungsvermögen mit dem Herzchakra verbinden und sie von persönlichen Verkrustungen befreien, um somit von ih- rem überpersönlichen Glanz zu kosten. Eigentlich eine günstige Konstellation, da Vesta durch ihre Hartnäckigkeit, Selbstkritik, DesilIusionsgabe und ihre drängenden Gewissenssignale der Sonne wenig Chancen läßt, sich übermütig aufzublähen. Was ist also geeigneter, hinter die Fassade eines vordergründigen und meist im Wege stehenden Ich's zu gelangen, als dem Weg einer Persönlichkeits- oder Psychoanalyse zu folgen! - Und tatsächlich - und dies muß als starker Beweis für die enorme Wirksamkeit von Vesta gewichtet werden - verdanken wir die Existenz der Psychoanalyse in allen ihren Hauptrichtungen stark Vesta-geprägte Persönlichkeiten.
VESTA UND DIE PSYCHOANALYSE
Allen voran Sigmund Freud mit seinen Todestriebtheorien (Vesta-Konj.-Pluto im Stier/2° Orbis und Vesta-Opposition-Asz. / 5° Orbis), CarI Gustav Jung mit seiner ins Metaphysische gerichteten Archetypenlehre (Vesta-Opposition-Sonne/3°Orbis), Alfred Adler mit seinen Minderwertigkeitskomplexen (Vesta-Konj.-Sonne im Wassermann/4° Orbis und Vesta-Opposition-MC / 4°Orbis), Wilhelm Reich mit seiner orgastischen Impotenz und »Lustangst« (Vesta-Konj.-Mars / 2° Orbis), sowie Fritz Perls mit seiner Individualpsychologie und Gestalttherapie (Vesta- Konj.- Sonne im Krebs / 2° Orbis). Allen Schülern des Sexualtheoretikers Sigmund Freud gemeinsam war ihr Einstieg über eine gesteigerte Neugier, Antworten auf die in ihnen bohrende, von Vesta hervorgerufene sexuelle Problematik zu erhalten oder, anders formuliert, ihre Ve- sta-Betonung zeichnet sie als echte (da selbst betroffene) Sucher aus, wodurch sie sich von späteren, rein geldorientierten Hollywood-Analytikern abheben. (In der moderneren Analytiker-Generation seien Außenseiter wie Timothy Leary mit seiner psychedelischen Sexualtherapie (Vesta-Konj.-Pluto/1° Orbis und Vesta-Konj.-Mars / 6° Orbis) sowie Richard Alpert mit seinen religiös-meditativen Therapien (Vesta-Opposition-Pluto / 6° Orbis und Vesta-Opposition Jupiter / 1° Orbis) hervorgehoben, die beide vor ihrer radikalen Umkehr ins Esoterische der Freud'schen Gedankenwelt nahestanden. Ferner kann hier noch der Psychiater und Vertreter der »Anti-Psychiatrie« Ronald D. Laing (Vesta-Konj.-Saturn / 4° Orbis) angeführt werden. Die recht schwierig zu meisternden Vesta-Pluto-Beziehungen zunächst ausklammernd (Freud, Leary, Alpert - siehe unter Vesta/Pluto), muß man feststellen, daß die denkerischen Vorstöße C. G. Jungs über die Typenlehre (Extro- und Introversion), den Prozeß der Individuation (persönliches Selbst, soziales Selbst), des persönlichen und kollektiven Unbewußten bis in die Bereiche der esoterischen Vesta (Alchemie, Astrologie und östliche Wissenschaften) der buddhistischen Tiefenpsychologie (tibet.Totenbuch, Mandala-Archetypen, "Geheimnis der Goldenen Blüte«), der vergleichenden Psychologie, des Yoga, des Schamanismus bis hin zu »modernen« abstrakten Überlegungen (Polaritötsüberwindung, Synchronizitätsphänomene) vorgedrungen sind. Dies war für Akademiker seiner Zeit sicherlich eine großartige Leistung und er hat gedankliche Brücken konstruiert, die bis in die Jetzt-Zeit hinein inspirierend wirken. Jedoch erlaubte es seine skeptische Wissenschaftlerrolle, sowie sein akademischer Stolz nicht, eine der vielen Brücken zu überschreiten. Obwohl ein engagierter Verfechter östlicher und westlicher Weisheiten, ist er doch weder Alchemist, noch Astrologe oder gar praktizierender Tantriker, Buddhist oder Taoist geworden. Er blieb immer ein schweizerischer Pfarrerssohn, der der Religion seines Vaters mißtraute und von dieser Weltbild- und Gewissenskrise ausgehend, mit einer guten Intuitonsgabe ausgerüstet (Venus-Merkur-Konjunkfion im Krebs), begann, die Wurzeln seines Überselbst auszuloten, ohne sich mit ihnen vereinen zu können. In einer Art Selbstrechtfertigung hielt er dies sogar als für einen westlichen Menschen gefährlich, wenn nicht gar unmöglich. Hierbei stoßen wir auf ein grundsätzliches Problem vestabetonter Menschen (wenn nicht durch starke Wasserlements-betonung aufgehoben): die entpersönlichende Distanz gegenüber den gewonnenen Erkenntnissen. Hier wird einem bewußt, daß Vesta nur die eine Hälfte der esoterischen Jungfrau-Fische-Achse darstellt und Neptuns ablösender Vollendung der Verschmelzung und des angstbefreiten Aufgehens, der praktischen Erprobung durch einen kühnen Sprung ins Wasser mit hartnäckiger Skepsis gegen- übersteht, immer neue und verfeinertere Absicherungen und Überprüfungen fordert, über denen leicht ein Leben vergehen kann. Mit besonderer Vorliebe die Leben von Analytikern, Therapeuten, Psychologen, Lehrern, Wissenschaftlern, Philosophen, Astrologen oder Okkultisten, deren Rollenbild von vorneherein mehr theoretisch als praktisch definiert ist. Dies findet gesellschaftlichen Anklang und Wohlwollen und läßt sich auf Vestas bürgerlich-soziale Erdelementsverankerung zurückführen. Es sind nur kleine Minderheiten die das »Echte« nicht scheuen, die den wirklichen S chamanen, den gleichermaßen theoretisch wie praxisgebildeten buddhistischen Mönch, den mystisch und esoterisch entwickelten Astrologen etc. direkt suchen und konsultieren. Die Gruppe der »Echten« wird sogar in ein soziales Abseits gedrängt (man denke hierbei z.B. an das 12. Fische-Feld als sog. »Gefängnis«), obwohl diese selbst nur allzu gerne und mit großer Hingabe ihr Wissens-Sein zur Verfügung stellen möchten. Als der bedeutende Indologe Heinrich Zimmer den indiengereisten C.G. Jung um ein Vorwort zu seinem Buch über den Heiligen Shri Ranama Maharishi befragte, schrieb Jung: »Wahrscheinlich hätte ich Shri Ramana doch besuchen sollen. Allein ich fürchte, wenn ich noch einmal nach Indien reiste, um das Versäumte nachzuholen, so ginge es mir wieder gleich: ich könnte mich, trotz der Einmaligkeit und Unwiederholbarkeit diese zweifellos bedeutenden Menschen, nicht dazu aufraffen, ihn persönlich zu sehen.« Nun mag das nicht als Vorwurf an vestagebundene Analytiker verstanden sein. Im größeren Rahmen der Reinkarnationslehre kann die vestalische Annäherung und Absicherung bestimmter Wissensbereiche als durchaus positiv und notwendig für Entwicklungsschritte zukünftiger Existenzen gewichtet werden. In kosmischen Dimensionen ist ein Erdendasein eben nur ein winziger Augenblick, der erst aus uranischem Abstand Sinn, Tiefe und paradoxe Logik erkennen läßt. Ergibt sich die rhetorische Frage, wo sich Carl Gustav Jung wohl heute herumtreibt!? - Auf alle Fälle hat er seine Vesta-Sonne-Schulaufgabe vorbildlich und mit dem vollen Einsatz seiner geistigen Kapazität vorangetrieben. Doch höre ich da nicht leises Kirchenglockenläuten - oder war es der ferne Gesang christlicher Gnostiker?
VESTAS SCHATTENBEREICH
Der von W. Reich beeinflußte Analytiker und Therapeut Fritz Perls entwickelte über seine Vesta-Sonne-Konjunktion eine Art humanistische Therapie (Gestalt), ein unorthodoxes Angebot einer Vielzahl anderer Therapien, wie Traumarbeit, Körperarbeit, Psychodrama, Gruppenrückmeldung etc. um den Gestaltzerfall resp. die verlorene Ganzheit des Neurotikers (»Selbstunterbrechers«) wiederherzustellen. Patienten mit verschütteten menschlichen Regungen (wie Hilfsbereitschaft, Wohlwollen etc.> nennt Perls befangen und sieht in ihnen eine Art Verdrängungsmechanismus. Nicht sonderlich originell, wenn man dies mit dem weit ausufernden und mehrschichtigen Denken C.G. Jungs vergleicht. Hierbei wird jedoch eine andere Facette Vestas erkennbar, die in menschlicher Befangenheit (Minderwertigkeitskomplexe), aber auch einer angstmotivierten, entpersönlichten Kälte resultieren kann. Als eine nach völliger Objektivität und Versachlichung strebende Instanz, kann sich Vesta hinter einer Mauer von Gefühlslosigkeit, Taktlosigkeit und Sprödigkeit verschanzen, die alle menschliche Wärme zum Absterben bringt (ähnlich einer ungelösten Saturn-Blockierung>. Mit eselhafter Bockigkeit kann sie sich dann als Prinzipienreiterin, »enfant terrible« oder durch altjüngferliche Verkniffenheit bemerkbar machen. Hierbei entzieht sie sich häufig dem inneren Streben der humanen und harmonisierenden Kräfte und gestaltet sich wider dem Willen oder den Wünschen des Einzelnen als eine gewissermaßen asoziale, sich isolierende oder gar menschenfeindliche (Nörglertum) Größe. Eine derart verstockte Vesta mit allen Mitteln der Therapie in Fluß zu bringen, ist eine nicht gerade leichte Aufgabe und bedarf großer Geduld und Einfühlsamkeit. Das m.E. beste in derartigen Situationen ist es, sie mit ihren eigenen Waffen - einer rationalen Diskussion und einer schrittweisen Analyse ihrer verkehrten denkerischen Ableitungen zu schlagen und eine Vertrauensbasis völliger Ehrlichkeit und Offenheit zu vereinbaren, ohne Vesta das Gefühl jovialer (jupiterhafter) oder weiser Überlegenheit zu vermitteln, das sie nur weiter in trotzige Absplitterung treiben würde. Auch eine Mahnung an ihre menschlichen sozialen Pflichten, oder eine Angleichung der Wissensniveaus kann kleine Wunder bewirken. Nichts ist einer aufgebrachten Vesta verhaßter als Geheimniskrämerei (Neptun) oder bewußte Täuschung (und sei diese auch venusdiplomatisch motiviert). Vesta-Neurosen, die bei Adler etwas undifferenziert als Minderwertigkeitskomplexe überschrieben werden, wurzeln häufig nur im Nichtverstehen einiger winziger logischer Details, einem aneinander Vorbeidenken, einer (frühkindlichen), Mißachtung oder Ausnutzung von Ehrlichkeit, oder einer zu frühen Übertragung von Verantwortung und der daraus folgernden Überlastungskonflikte. Auch stark marsisch, jupiter- oder sonnenhaftig dominierende Einflußpersonen, die gefällige Notlügen oder unüberzeugtes nach-dem-Munde-Reden provozieren, können eine Dysfunktion des Vesta-Themas hervorrufen (auch Sprachhemmungen und psychosomatische Fluchtmechanismen). Erstveröffentlichung: Astrokalender 1991, Verlag P. Niehaus, Aachen. Copyright beim Autor.
Benutzte Literatur
- Benesch, H.: dtv-Atlas zur Psychologie (2 Bde), München 1987
- Bennet, E.A.: C.G. Jung, Einblicke in Leben und Werk, Zürich 1963
- Drever, J. & Fröhlich, W.-D.: dtv-Wörterbuch zur Psych., dtv 1968
- Dömling, W.: Igor Stravinsky, Hamburg 1983
- Doucet, F.W.: Psychoanalytische Grundbegriffe, München 1972
- Jung, C.G.: Bewußtes und Unbewußtes, Frankfurt 1969
- Laska, B.A.: W. Reich, Hamburg 1981 Mannoni, 0.: Sigmund Freund, Hamburg 1976
- Rattner, J.: Alfred Adler, Hamburg 1976
- Segoller, St. & Berger, M.: The Wisdom of the Dream, Boston 1989
- Wehr, 0.: C.G.Jung, Hamburg 1969
- Wiegand, W.: Pablo Picasso, Hamburg 1984
- Wilpert, G.von: Lexikon der Weltliteratur, Bd 1, Stuttgart 1975
Im Text tangierte Daten:
Alfred Adler: 7.02.1870, 00h 15m LT, Wien/A - Taeger-Archiv / Gruppe 4 (div.abweichende Zeiten: 14h 00m, 01h 58m)Sigmund Freud: 06.05.1856,18h 30m LT, Freiburg/Mähren - Taeger-Archiv / Gruppe 1F via Vater (abweichende Zeiten: 17h 09m; 09h 08m / abweichende Geburtsangabe: 6.03.1856)
Carl Gustav Jung: 26.07.1875, 19h 20m LT, Kesswil/CH - Taeger-Archiv / Gruppe 3 (abweichende Zeiten: 19h 26m; 19h 30m; 19h 41m)
H. de Montherlant: 20.04.1896, O2h OOm Paris T, Paris/F - Taeger-Archiv / Gruppe 1* (neueste Updates: 20.04.1895, 02h 00m Paris T, Paris/F/1*)
Fritz Perls: 08.07 1893, O5h OOm MET, Berlin/D - Taeger-Archiv / Gruppe 3 (abweichende Zeiten: 05h 00m; 'bei Sonnenaufgang')
Pablo Picasso: 25.10.1881, 23h15m LT, Malaga/E - Taeger-Archiv / Gruppe 1* (via Vater via St.-Amt)
Wilhelm Reich: 24.03.1897, 03h 40m LT, Dobzau/Galizien/A - Taeger-Archiv / Gruppe 3 (Zt. evtl.spekulativ)
Igor Stravinsky: 17 06.1882, lOh 3Om LT, Oranienbaum/RUS - Taeger-Archiv / Gruppe 3 (auch 10h 25m)
Copyrights ©: Hans-Hinrich Taeger. Erstveröffentlichung: 1989. Nachdrucke (Druckmedium, URL) sind erwünscht. Bitte kurze Benachrichtigung sowie Belegexemplar resp. URL.
Email: taeger@iol.ie.
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updated July 99
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