Grundsätzlich muß vor
allem der Anfänger/in gewarnt werden, durch ein datenmäßig
gut recherchiertes Horoskop nun endlich eine Formel für einen Menschen
gefunden zu haben, die ihm dessen gesamte Persönlichkeit quasi mit
einem Schlage enthüllt. Ein Bild kann immer nur als zusätzliche
Inspiration zu einer fundierten und ausgewogenen Gesamtbiographie eines
Menschen gesehen werden. Es kann mit einiger Erfahrung grobe Anhaltspunkte,
erste Verständnishilfen bieten. Klammert man aber einmal die uns nicht
einsichtige, aber sicherlich bedeutende vorgeburtliche Biographie aus,
so bleiben doch so wichtige Faktoren wie Elternhaus, soziales Umfeld, geistige
Förderungen oder Vernachlässigungen, Schulbildung, Traumata,
Krankheiten, Zeitfaktoren, moralische Richtlinien, Religion, kulturelle
Zusammenhänge u.v.m. bestehen, denen ein Horoskopeigner/in ausgesetzt
ist. Das reine Geburtsbild kann hierbei genauso in die Irre führen
wie das engelhafte Gesicht eines Menschen, das einen kleinen Teufel versteckt
oder die finstere Miene, hinter der sich ein guter Freund verbirgt.

Hinzu kommt, daß das Horoskop
selbst keine starre Matrix, kein mechanisches Gefängnis ist, sondern
sich, wie der Mensch selbst - auf unendlich vielen Ebenen äußert,
sich verändert, atmet und lebt. Sich in astrologischen Termini ausgedrückt
durch Transite, Solare, Relokationen, Progressionen, Direktionen, Eigenrhythmen
etc. in einem unentwegten Neuwerdungsprozeß befindet. Hinter einem
Bild voller Quadrate, Oppositionen und sonstiger "schwieriger" Konstellationen
kann sich durchaus ein freundlicher, gelassener oder hochentwickelter Geist
befinden. Während andersherum ein harmonisches Horoskop voller Trigone,
Sextile und vielversprechender Konjunktionen durchaus auch einen unentwickelten
oder in sich selbst so abgerundeten Charakter entspricht, daß mangelndes
Profilierungsstreben ihn in der Anonymität untergehen läßt.
Diese oder ähnliche Überlegungen einer möglichst ganzheitlichen
Betrachtung, in die durchaus auch Intuition oder verfeinertes instinktmäßiges
Erfassen des/der Interpretierenden gehören, führten zu der von
vielen Astrologen/innen vertretenen Auffassung der Astrologie als einer
Deutungskunst. So wird es nicht verwundern, daß so mancher begabter
Astrologe/in in seinem Erst- oder Zweitberuf oft als Maler, Schriftsteller,
Musiker oder ähnliches tätig ist oder doch dem Musischen nahesteht
(THOMAS RING, DANE RUDHYAR, NOEL TYL). Dies muß einem eher naturwissenschaftlichem
Ansatz nicht im Wege stehen. Vorschnelle Rückschlüsse vom flüchtigen
Blick auf ein Horoskop sollten daher selbst von erfahrenen Analytikern/innen
Zvermieden werden. Sie machen nicht nur voreingenommen, sondern verbauen
auch den Zugang zu einem der größten Geheimnisse dieser Wirklichkeit,
dem Menschen selbst.
