"Der Mensch ist grundsätzlich mehr, als er von sich wissen kann".
- Karl Jaspers -


Einführung TAEGERARCHIV ©

A. Über den Wert und Unwert eines Horoskops

Grundsätzlich muß vor allem der Anfänger/in gewarnt werden, durch ein datenmäßig gut recherchiertes Horoskop nun endlich eine Formel für einen Menschen gefunden zu haben, die ihm dessen gesamte Persönlichkeit quasi mit einem Schlage enthüllt. Ein Bild kann immer nur als zusätzliche Inspiration zu einer fundierten und ausgewogenen Gesamtbiographie eines Menschen gesehen werden. Es kann mit einiger Erfahrung grobe Anhaltspunkte, erste Verständnishilfen bieten. Klammert man aber einmal die uns nicht einsichtige, aber sicherlich bedeutende vorgeburtliche Biographie aus, so bleiben doch so wichtige Faktoren wie Elternhaus, soziales Umfeld, geistige Förderungen oder Vernachlässigungen, Schulbildung, Traumata, Krankheiten, Zeitfaktoren, moralische Richtlinien, Religion, kulturelle Zusammenhänge u.v.m. bestehen, denen ein Horoskopeigner/in ausgesetzt ist. Das reine Geburtsbild kann hierbei genauso in die Irre führen wie das engelhafte Gesicht eines Menschen, das einen kleinen Teufel versteckt oder die finstere Miene, hinter der sich ein guter Freund verbirgt.

Hinzu kommt, daß das Horoskop selbst keine starre Matrix, kein mechanisches Gefängnis ist, sondern sich, wie der Mensch selbst - auf unendlich vielen Ebenen äußert, sich verändert, atmet und lebt. Sich in astrologischen Termini ausgedrückt durch Transite, Solare, Relokationen, Progressionen, Direktionen, Eigenrhythmen etc. in einem unentwegten Neuwerdungsprozeß befindet. Hinter einem Bild voller Quadrate, Oppositionen und sonstiger "schwieriger" Konstellationen kann sich durchaus ein freundlicher, gelassener oder hochentwickelter Geist befinden. Während andersherum ein harmonisches Horoskop voller Trigone, Sextile und vielversprechender Konjunktionen durchaus auch einen unentwickelten oder in sich selbst so abgerundeten Charakter entspricht, daß mangelndes Profilierungsstreben ihn in der Anonymität untergehen läßt. Diese oder ähnliche Überlegungen einer möglichst ganzheitlichen Betrachtung, in die durchaus auch Intuition oder verfeinertes instinktmäßiges Erfassen des/der Interpretierenden gehören, führten zu der von vielen Astrologen/innen vertretenen Auffassung der Astrologie als einer Deutungskunst. So wird es nicht verwundern, daß so mancher begabter Astrologe/in in seinem Erst- oder Zweitberuf oft als Maler, Schriftsteller, Musiker oder ähnliches tätig ist oder doch dem Musischen nahesteht (THOMAS RING, DANE RUDHYAR, NOEL TYL). Dies muß einem eher naturwissenschaftlichem Ansatz nicht im Wege stehen. Vorschnelle Rückschlüsse vom flüchtigen Blick auf ein Horoskop sollten daher selbst von erfahrenen Analytikern/innen Zvermieden werden. Sie machen nicht nur voreingenommen, sondern verbauen auch den Zugang zu einem der größten Geheimnisse dieser Wirklichkeit, dem Menschen selbst.
 
 


 
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updated July 99

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